Vor mehr als 100 Jahren, nämlich in ihrer Ausgabe vom 6. März 1884, hat sich die Zeitschrift Life mit einem interessanten Phänomen beschäftigt. Da es zu diesem Thema in der gesamten Literatur praktisch keine Angaben gibt, möchten wir unseren Lesern diese historische Kostbarkeit nicht vorenthalten, nämlich die Katzen-Batterie (gefunden und ins Deutsche übersetzt von Wolf P. Tangermann).
(PATENTIERT AM 1. APRIL 1883)
Bereits im Jahre 2306 vor Christi Geburt entdeckte der ägyptische Philosoph Sarcophagus die elektrische Energie der Katze. Als er sich eines Abends aus Versehen auf seine im Lehnstuhl schlummernde Katze setzte, wurde er überlieferten Berichten zufolge einer Erscheinung gewahr, die man heute "galvanisch" nennen würde. Nachfolgende Uberlegungen ließen ihn zu dem Schluß kommen, daß bei Katzen durch plötzliche Kompression Energie in Form von Elektrizität frei werden könnte.
Die in Steintafeln gehauenen Aufzeichnungen darüber
existieren heute leider nicht mehr, so daß wir nicht wissen, ob
der Philosoph seinerzeit die wahren Ursachen dieses Effektes erkannt
hat.Es wird angenommen, daß jedoch seine Entdeckungen die Katze
in Ägypten zu einem heiligen Tier machten. Zwei Jahrhunderte
später gelang dem bekannten Metaphysiker Obeliskus Mummi von
Memphis eine Entdeckung, die die Forschung um grundlegende
Erkenntnisse bereicherte: Er bemerkte starke Abstoßeffekte bei
zwei durch eine Wäscheleine verbundenen Katzen. Mangels Kenntnissen
in der Elektrizitätslehre konnte er diesen Effekt noch nicht in
seinen Ursachen erklären. Es blieb Benjamin Franklin
vorbehalten, das Dunkel nach vielen erfolglosen Versuchen anderer
Physiker zu lüften. Wie so oft bei großen Entdeckungen
spielte auch hier der Zufall eine Rolle. Bei einem seiner bekannten
Versuche mit Papierdrachen schlang er in Ermangelung eines
Haltepunktes die Drachenschnur um den Schwanz der Katze seines Kochs.
Als sich nun in der Nähe ein Gewitter zusammenbraute, bemerkte
Franklin, wie sich die Katzenhaare kräftig sträubten.
Dieses war ihm als ein Zeichen der Erregung bekannt - und sofort
schloß er, es müsse ein Zeichen elektrischer Erregung
sein. Als Folge dieser Beobachtungen entdeckte Franklin
schließlich die in der Literatur hinreichend beschriebenen
elektrischen Effekte. Leider ist seine "Theorie der Katzen" bis heute
verschollen.
Nach diesem kurzen geschichtlichen Rückblick kommen wir nun
zu der praktischen Anwendung des Katzen-Batterie-Effekts. Nach
Untersuchungen von Tyndall sind Katzen im Ruhestand weder elektrisch
positiv noch elektrisch negativ. Diesen neutralen Status zeigt
Bild 1. Beide Energiefelder sind in sich abgeschlossen, und
selbst das empfindlichste Galvanometer kann keine Elektrizität
feststellen. Derart isoliert zeigen sich keine
Abstoßungseffekte, auch keine Anziehungen (ausgenommen hier ein
Stück Fisch oder ein warmer Ofen - aber nach
Forschungsergebnissen von Siemens & Halske sind dann nicht
elektrische, sondern chemische Vorgänge maßgeblich
beteiligt). Bringen wir nun jedoch die elektro-positive Katze A mit
der elektro-negativen Katze B' im erregten Zustand zusammen,
können wir sofort das Entstehen elektrischer Energie beobachten.
Überzeugt, die bessere Katze zu sein, wird A stark positiv
geladen, während B in gleichem Maße negativ wird (Bild
2). Experimente von Prescot, Edison und anderen betreffend die
Induktion lassen den Schluß zu, daß jede Katze der
anderen Glauben zu machen sucht, sie sei nicht ängstlich, indem
sie per Induktion Ladungen überträgt. Dieser elektrische
Zustand ist von den wohlbekannten elektrostatischen Effekten
begleitet. Katzen sind absolute Nichtleiter. Diese Tatsache wurde
1876 von Gerrit Smith aufgedeckt, während er erfolglos
versuchte, eine Katze aus dem Kohlenkeller zu leiten.Er bewies:
Entgegen vorherigen Annahmen hat die Katze einen hohen Widerstand. So
erklärt es sich auch, daß zwei erregte Katzen die gesamte
Nachbarschaft elektrisieren können.
Doch nun zu einem einfachen Experiment: der Katzen-Batterie.
(Übrigens wurde dieser Versuch erstmals vom Hilfselektriker
der Union Telegraph Company durchgeführt.) Die Katzen-Batterie
besteht pro Element aus zwei Einheiten. Zunächst müssen
nach Bild 3 die Abgreifklemmen angefertigt werden. Sie
bestehen aus einer zweizackigen elastischen Metallgabel mit einer
Einspannkraft von 20 lb. zwischen a und a'. Die Schraube s dient zum
Befestigen eines Anschlußdrahtes im Loch e. Eine Anwendung
zeigt Bild 4. Der
Katzenschwanz T wird bei Z mit einer Katzen-Einheit verbunden. Bei
der anderen Katzen-Einheit ist ebenso zu verfahren. Ein kompletter
Satz besteht also aus zwei Katzen, die nach Untersuchungen von
Haskins als Element ein Potential von 47 V darstellen. Auf diese
Weise hat man bereits eine ideale Energiequelle für
biomedizinische Anwendungen, wie Bild 5 zeigt. Die metallische
Wanne ist mit warmem oder kaltem Wasser oder auch beidem
gefüllt. Dazu dienen die Einrichtungen M. Die Einheiten A und B
befinden sich in angeregtem Zustand und bilden ein aktives Element.
Dadurch kann ein Stromkreis gebildet werden. Der Strom fließt,
wie man leicht erkennen kann, dabei über die Versuchsperson. Bei
geschickter Auswahl der Katzen-Einheiten ergibt sich des öfteren
ein Umpoleffekt, so daß ein Polwender nicht benötigt wird.
In der Literatur finden wir von Bunnel einen Verbesserungsvorschlag,
der anregt, die Polklemmen c vor Verwendung mit Terpentin zu
bestreichen.
Besonders interessant ist das Katzen-Element auch für
Beleuchtungszwecke. Tillotson's Versuchsanordnung scheint optimal zu
arbeiten; da die hohe potentielle Energie eines Katzenelements damit
beinahe voll ausgenutzt wird. Einen Versuchsaufbau zeigt Bild
6. Über
den Lichtbogen N in der Lampe S erfolgt eine ständige Entladung,
bis das Katzen-Element F erschöpft ist. Für industrielle
Zwecke und Straßenbeleuchtung bietet sich die Reihenschaltung
mehrerer Katzen-Elemente an (Bild 7). Die Koppelleitungen
bestehen aus reißfester Kupferlitze (c) und die Abgreifklemmen
S bzw. S' aus Federstahl. Während der Arbeitsdauer der Batterie
entsteht an der Entladungsstrecke X ein Lichtbogen. Stern's
Untersuchungen ergaben eine Spannung von 9 kV und eine Kapazität
von rund 640 Mikrofarad. Der praktisch einzige wirkliche Nachteil
dieser Energie-Gewinnung ist der hohe Materialverschleiß. Die
Eastern Union Telegraph Company hält diese Art der
Elektrizitätserzeugung jedoch für äußerst
wirtschaftlich.
(c) Franzis Verlag (Funkschau 7/1985)